Mehr als ein Viertel der von COVID-19 betroffenen Länder außerhalb des chinesischen Festlands meldeten ihren ersten Fall bei Personen, die kürzlich aus Italien eingereist waren, ergab eine umfassende Untersuchung.
Insgesamt waren bei 99 Ländern, die in den 11 Wochen vor der Pandemie-Ausrufung von Forschern als betroffen erfasst wurden, fast zwei Drittel der ersten Fälle mit Reisen nach Italien (27 Prozent), China (22 Prozent) oder Iran (11 Prozent) verknüpft.
Die Ergebnisse, publiziert in The Lancet Infectious Diseases, deuten darauf hin, dass Reisen aus wenigen Ländern mit hoher Virusübertragung weitere Ausbrüche weltweit auslösten, so einer der Studienleiter der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC).
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Die CDC-Studie analysierte Fälle vom 31. Dezember 2019 bis 10. März 2020 – dem Tag vor der Pandemie-Deklaration der WHO.
Daten stammen aus offiziellen Websites, Pressemitteilungen, Pressekonferenzen und Social-Media-Kanälen nationaler Gesundheitsbehörden.
Bis zum 10. März hatten 99 Länder und Gebiete außerhalb Chinas Fälle gemeldet; bei 75 davon war der erste Fall reisender Herkunft aus einem bereits betroffenen Land.

CDC-Expertin Dr. Fatimah Dawood: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Reisen aus wenigen Ländern mit signifikanter SARS-CoV-2-Übertragung weitere globale Ausbrüche vor der Pandemie-Klassifikation am 11. März 2020 begünstigten."
Die Forscher untersuchten zudem Cluster nach Übertragungskontexten: Haushaltsübertragungen dominierten früh, doch berufliche und gemeinschaftliche Cluster waren größer.
Co-Autor Dr. Philip Ricks betonte: "Vier große Cluster und weitere berichtete Ausbrüche hingen mit religiösen Versammlungen zusammen – eine enge Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen ist essenziell. Sechs gesundheitswesensbezogene Cluster unterstreichen die Notwendigkeit strenger Infektionsprävention und Überwachung des Personals."
Diese Arbeit ist die erste, die öffentliche globale Daten nutzt, um Reiseexposition und Cluster bei frühen Fällen zu charakterisieren.
Dennoch: Fast alle Fälle stammen aus mittel- bis hoch einkommensstarken Ländern in Asien und Europa – ein vollständiges Bild erfordert Daten aus ärmeren Regionen.
Dr. Dawood: "Die Epidemiologie in niedrigeinkommensländern und Afrika könnte abweichen, wie bei früheren Pandemien. Präzise Daten sind unerlässlich, um die globalen Auswirkungen von COVID-19 zu bewerten."