Eine bahnbrechende Studie hat einen molekularen Schutzmechanismus – den sogenannten 'Heiligen Gral' – entdeckt, der Nerven bei Multipler Sklerose (MS) vor Schäden bewahren könnte.
Das Paper, das in der renommierten Fachzeitschrift Acta Neuropathologica veröffentlicht wurde, zeigt zudem, dass ein gängiges Diabetes-Medikament diesen natürlichen Prozess verstärken und so das Fortschreiten von Behinderungen bei neurologischen Erkrankungen stoppen könnte.
Bei MS wird die schützende Myelinschicht um die Nerven angegriffen, was diese weniger energieeffizient macht, anfälliger für Schäden und letztlich zu Behinderungen führt, erklärt die MS-Gesellschaft.
Nach über einem Jahrzehnt intensiver Forschung haben Wissenschaftler der University of Edinburgh – unterstützt durch die MS-Gesellschaft – einen körpereigenen Mechanismus namens AMD (axonale mitochondriale Reaktion auf Demyelinisierung) identifiziert, der genau dieses Problem bekämpft.
Obwohl dieser Mechanismus allein nicht ausreicht, um die Demyelinisierung bei MS vollständig zu stoppen, eröffnet die Entdeckung neue therapeutische Wege, etwa durch Medikamente, die ihn boosten.
Das Forschungsteam konnte AMD mit dem zugelassenen Diabetes-Medikament Pioglitazon (Handelsname Actos) signifikant verbessern und vulnerable Nerven so schützen, wie Labortests zeigten.
Hauptautor Dr. Don Mahad, Senior Clinical Lecturer an der University of Edinburgh, betont: 'Therapien zum Schutz der Nervenfasern sind der 'Heilige Gral' der MS-Behandlung.' Er ergänzt: 'Behinderungen bei MS entstehen durch den Verlust von Nervenfasern nach Myelinschäden. Trotz Fortschritten schützen aktuelle Therapien diese Fasern nicht ausreichend – besonders bei progressiven Formen.'
'Wir haben AMD mit Pioglitazon gestärkt und gefährdete Nerven geschützt. Das könnte die Lücke in der MS-Therapie schließen.'
Im Vereinigten Königreich leben über 130.000 Menschen mit MS, einer 'unerbittlich schmerzhaften und behindernden' Erkrankung, so die MS Society.
Dr. Emma Gray, stellvertretende Forschungsdirektorin: 'Dieser Schritt bringt uns näher ans Ziel, MS zu stoppen. Bald könnten Behandlungen verhindern, dass sich die Krankheit verschlimmert. Neuroprotektive Therapien sind greifbar.'