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Warum lieben wir Achterbahnen? Prof. Brendan Walker erklärt die Psychologie des Nervenkitzels

Unsere Emotionen werden oft mit einer Achterbahnfahrt verglichen – und das ist kein Zufall. Die Psychologie beeinflusst das Design von Fahrgeschäften seit jeher. Prof. Brendan Walker, renommierter Thrill Engineer, spricht über Adrenalin, Abenteuer und warum wir uns freiwillig dem Grusel hingeben.

Was macht einen 'Thrill Engineer' aus?

Der Begriff fasziniert mich: Er verbindet das präzise Ingenieurwesen mit der subjektiven Welt menschlicher Gefühle. Als Thrill Engineer gestalte ich intensive emotionale Erlebnisse, indem ich Designprinzipien auf extreme Empfindungen anwende.

Welche psychologischen Mechanismen nutzen Sie beim Entwurf von Achterbahnen?

Blindfolded würde Ihr Erregungsniveau exakt den Beschleunigungskräften folgen. Achterbahnen meistern es meisterhaft, diese körperliche Erregung zu erzeugen – und damit ein emotionales High zu erzwingen, das eng mit unseren Sinneseindrücken verknüpft ist.

Welche Emotionen erleben wir auf einer Fahrt?

Unsere 43 Gesichtsmuskeln erzeugen unzählige Ausdrücke. Zusammen mit Dr. James Condron vom MIT habe ich Technologien genutzt, um Emotionen mittels Gesichtserkennung und galvanischer Hautreaktion zu tracken. Die resultierenden 10 Porträts zeigen die Bandbreite: von extremer Freude über Schrecken bis hin zu Langeweile. Thrill ist keine feste Emotion, sondern der Wechsel dazwischen.

Es gibt einen schmalen Grat zwischen lustiger Angst und echter Bedrohung …

Ganz richtig. Echte Gefahr zu simulieren würde ethische Grenzen überschreiten. In Vergnügungsparks gilt jedoch ein stiller Pakt: Besucher wollen an Grenzen geführt werden, vertrauen aber auf Sicherheit. Diese Balance ist essenziell.

Warum lieben wir Achterbahnen? Prof. Brendan Walker erklärt die Psychologie des Nervenkitzels

Warum suchen manche intensiver nach Thrill?

Marvin Zuckerman, Pionier der Sensationssuche an der University of Delaware, identifizierte vier Dimensionen: Thrill- und Abenteuersuche (perfekt für Achterbahnen), neue Erfahrungen, Enthemmung und Langeweile-Resistenz – ideal für lange Wartezeiten.

Unser Vergnügen hängt von Risikowahrnehmung, Neuheitssuche und Kontext ab: Mit Freunden im Sonnenschein viel toller als allein im Regen.

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Sie waren von der Idee bis zum fertigen Produkt an Achterbahnen beteiligt?

Ja, etwa bei der Wicker Man in Alton Towers: Von kulturellen Trends wie Holzachterbahnen bis zum Horror-Thema. Bei TH13TEEN optimierte ich den Drop im Dunkeln – präzise Berechnungen balancieren Psychologie und Kosten.

Wie wird aus purem Schrecken Nervenkitzel?

Thrill wurzelt in unserer Evolution: Das Überleben von Gefahren belohnt mit Dopamin. Themenparks simulieren diese Illusion sicherer als reale Risiken – Unfälle sind extrem selten.

Sind Sie selbst ein Thrill-Sucher?

Ja, genetisch bedingt. Ich trage den Dopamin-Rezeptor-Polymorphismus (bei 1 von 30 Briten), der intensiveren Thrill erfordert. In Abenteuer-nationen wie USA höher (1:20), in China niedriger (1:60).

Warum lieben wir Achterbahnen? Prof. Brendan Walker erklärt die Psychologie des Nervenkitzels

Bei 5 g Beschleunigung klingt das riskant …

Nur kurzfristig – Achterbahnen verteilen Kräfte optimal, um Blackouts zu vermeiden. Übergänge erzeugen die Highlights.

Welche Fahrt nach dem Lockdown?

Der Orbit auf Rummelplätzen: Intensive Kreise und Würfe von Ölplattform-Ingenieuren – purer Adrenalin-Kick!

  • Dieser Artikel stammt aus Ausgabe 351 von BBC Science Focus.