Vier von fünf Personen mit plötzlichem Geruchs- oder Geschmacksverlust testeten positiv auf COVID-19-Antikörper. Neue Forschungsergebnisse von UCL-Experten unterstreichen: Ein akuter Verlust von Geruch oder Geschmack ist ein äußerst zuverlässiger Hinweis auf eine Virusinfektion.
Die Wissenschaftler empfehlen dringend, diesen Symptomen weltweit als Kriterium für Selbstisolation, Tests und Kontaktverfolgung zu folgen.
Forscher der University College London (UCL) und UCLH (University College London Hospitals NHS Foundation Trust) analysierten Gesundheitsdaten aus Primärversorgungszentren in London. Am Höhepunkt der Pandemie wiesen 78 Prozent der Betroffenen mit plötzlichem Geruchs- und/oder Geschmacksverlust COVID-19-Antikörper nach. Bei 40 % dieser Fälle fehlten klassische Symptome wie Husten oder Fieber.
Es handelt sich um die erste Studie, die eine derart präzise Quote ermittelt hat.
"Da wir uns einer zweiten Infektionswelle nähern, ist die frühe Erkennung von COVID-19-Symptomen durch die Öffentlichkeit – gepaart mit schneller Selbstisolation und Tests – entscheidend, um die Ausbreitung einzudämmen", erklärt die Hauptautorin Professor Rachel Batterham von UCL Medicine und UCLH.
"Im Vereinigten Königreich wird Menschen mit plötzlichem Geruchs- oder Geschmacksverlust empfohlen, sich selbst zu isolieren und einen Test zu machen. Global anerkannt sind jedoch nur wenige Länder dieses Symptom – die meisten fokussieren auf Fieber und Atemprobleme", ergänzt sie.
"Unsere Ergebnisse belegen: Geruchs- und Geschmacksverlust signalisiert mit hoher Wahrscheinlichkeit eine COVID-19-Infektion. Regierungen weltweit sollten dies als Kriterium für Isolation, Tests und Kontaktverfolgung übernehmen."
Zwischen dem 23. April und 14. Mai verschickten die Forscher SMS an registrierte Patienten aus Londoner Versorgungszentren, die über plötzlichen Geruchs- oder Geschmacksverlust berichtet hatten.
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Insgesamt meldeten sich 590 Teilnehmer über eine webbasierte Plattform an und beantworteten Fragen zu Symptomen. 567 erhielten eine ärztliche Bestätigung und Antikörpertests.
Die in PLOS Medicine veröffentlichte Studie ergab: 77,6 Prozent der 567 Personen mit Geruchs- und/oder Geschmacksverlust hatten SARS-CoV-2-Antikörper. 39,8 % ohne Husten oder Fieber. Bei reinem Geruchsverlust war die Positivrate dreimal höher als bei Geschmacksverlust.
"Eine zentrale Botschaft für die öffentliche Gesundheit: Wer alltägliche Gerüche wie Knoblauch, Zwiebeln, Kaffee oder Parfüm nicht mehr wahrnimmt, sollte sich isolieren und einen PCR-Test machen", rät Prof. Batterham.