Eine wegweisende klinische Studie, geleitet von Experten des University College London (UCL), untersucht die Ausbreitung von COVID-19 in Krankenhäusern. Ziel ist es, mithilfe viraler Genomdaten in Echtzeit die Übertragungskette zu unterbrechen.
Diese Forschung evaluiert den Einsatz aktueller Genomsequenzierungsdaten, um Infektionen innerhalb von Kliniken zu minimieren. Die Ergebnisse sollen dem britischen Gesundheitssystem NHS helfen, weitere Übertragungen zu verhindern – indem klar nachweisbar wird, ob Patienten oder Personal das Virus innerhalb desselben Krankenhauses aufgenommen haben.
„Die Ausbreitung von COVID-19 in Krankenhäusern stellt ein großes Risiko für medizinisches Personal und Patienten dar. Es ist essenziell, diese Kette zu durchbrechen“, erklärt Professorin Judith Breuer, Leiterin der UCL-finanzierten Abteilung für Pathogengenomik und Studiendirektorin der biomedizinischen Forschungszentren UCL/UCLH/GOSH.
Bewährte Maßnahmen wie die Trennung infizierter von nicht infizierten Patienten, gründliche Desinfektion, der Einsatz von Schutzausrüstung (PSA) und strenges Händewaschen werden bereits umgesetzt.
Trotzdem kommt es weiterhin zu tödlichen Übertragungen. „Deshalb testen wir innovative Ansätze wie Virussequenzierung, um Ursachen zu identifizieren und Ausbrüche zu reduzieren“, betont Prof. Breuer.
Die Studie ist Teil des 20-Millionen-Pfund-Projekts COVID-19 Genomics UK Consortium (COG-UK) der britischen Regierung, das die landesweite Virusverbreitung kartiert. Gemeinsam mit der UCL-Einheit für umfassende klinische Studien beteiligen sich über 15 Krankenhäuser mit verbundenen COG-UK-Sequenzierungszentren.
Jeder Standort analysiert Sequenzen aus Nasen- und Rachenproben von bekannten COVID-19-Patienten, neu infizierten Patienten und Frontline-Mitarbeitern. Dank vollständiger Genomsequenzierung innerhalb von 24 bis 48 Stunden können Ausbrüche präzise lokalisiert werden.
Die Daten ermöglichen Klinikteams, zu klären, ob Neuinfektionen aus dem Krankenhausinneren oder von außen stammen.
Eng verwandte Viren weisen identische Sequenzen auf und deuten auf Übertragung hin; unterschiedliche Sequenzen schließen sie aus.
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„Der Vergleich der Genomsequenzen offenbart, ob Viren identisch oder verschieden sind“, ergänzt Prof. Breuer.
„Durch schnelle Sequenzierung können wir Infektionswege aufdecken. Krankenhäuser reagieren dann gezielt – mit intensiveren Reinigungen, Überprüfung der Schutzausrüstung oder Verlegung vulnerabler Patienten.“