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Spider-Man: No Way Home – Arachnologe Rod Crawford entlarvt Mythen um Superheldenkräfte

Spider-Man kann alles, was eine Spinne vermag – oder etwa nicht? Als Experte für Spinnen beleuchtet Rod Crawford, Kurator am renommierten Burke Museum in Seattle, die Kräfte des Web-Slingers wissenschaftlich und trennt Fakt von Fiktion.

„Zunächst einmal“, erklärt Crawford, „spritzt Spider-Man in manchen Filmen Seide aus den Händen. Echte Spinnen produzieren sie ausschließlich aus Spinndrüsen am Hinterende des Abdomens. Bei einem Menschen mit spinnenähnlicher Fähigkeit käme die Seide daher erwartungsgemäß aus dem Hintern.“

Mit dem neuen Film Spider-Man: No Way Home geht der Arachnologe die ikonischen Kräfte durch.

Stärke

Spider-Mans Superkraft basiert auf der Fähigkeit von Spinnen, Vielfaches ihres Gewichts zu heben. Doch Crawford ist skeptisch und beruft sich auf das Quadrat-Würfel-Gesetz: Bei proportionaler Vergrößerung wächst das Volumen kubisch, die Oberfläche quadratisch. Die Belastung steigt damit enorm.

„Stärke skaliert nicht linear mit der Größe“, betont Crawford. „Kleine Tiere heben relativ leicht schwere Lasten, weil diese absolut leicht sind. Spinnen sind in ihrer Größenklasse so stark wie vergleichbare Insekten und stemmen im Netz Beute, die ein paar Mal schwerer ist. Absolut gesehen wiegt das jedoch fast nichts.“

Agilität

Spider-Man: No Way Home – Arachnologe Rod Crawford entlarvt Mythen um Superheldenkräfte

Spider-Mans Reflexe sind blitzschnell – passend zu manchen Spinnenarten. „Bodenspinne in Nordamerika laufen relativ zur Körperlänge doppelt so schnell wie ein Gepard“, sagt Crawford. „Auf Menschengröße skaliert, würde das Quadrat-Würfel-Gesetz es unmöglich machen.“

Beim Springen variiert es: Hausspinnen springen schlecht, Springspinnen exzellent. „Spinnenbeine haben keine Streckmuskeln. Der Sprung erfolgt hydraulisch durch Blutdruck“, erklärt der Experte. „Bei einer Springspinne würde der Blutdruck einen Arzt schockieren.“

Wall-Crawling

Verschiedene Erklärungen im Spider-Man-Universum – von Elektrostatik bis messerscharfen Haaren – ähneln realen Mechanismen. „Spinnen erklimmen raue Wände mit Krallen“, sagt Crawford. „Springspinnen nutzen mikroskopische Haare mit Setulae, die via Van-der-Waals-Kräfte haften. Eine Spinne könnte so das 173-Fache ihres Gewichts tragen.“

Gurtband

Spider-Man: No Way Home – Arachnologe Rod Crawford entlarvt Mythen um Superheldenkräfte

Spider-Mans Netz ist unglaublich robust – es hielt eine Fähre zusammen (Spider-Man: Homecoming) oder bremste einen Zug (Spider-Man 2). Echte Spinnenseide ist ähnlich überlegen: „Ein Faden von Mikrometern Dicke ist stärker als Stahlseile pro Querschnitt – die stärkste Naturfaser“, hebt Crawford hervor. Forscher kopieren sie für Helme und Kunststoffe.

Das Schwingen durch die Stadt? Spinnen seilen sich ab und lassen sich vom Wind tragen – kein Tarzan-Schwung, aber machbar.

Spinnensinn

Der berühmte Spinnensinn warnt vor Gefahr. „Gefahr ist subjektiv – das klingt nach Vorahnung, was bei Spinnen unwissenschaftlich ist“, meint Crawford skeptisch.

Echte Sinne: Sinneshaare fühlen Vibrationen und Frequenzen wie Geräusche, Chemotaxis als „Geruch durch Berührung“. Sicht variiert: Springspinnen sehen fast menschlich gut, Hausspinnen gar nicht bildhaft.