DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Großangelegte Studie widerlegt Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und Fettleibigkeit

Eine umfassende schwedische Studie zeigt: Babys, die per Kaiserschnitt geboren wurden, sind im Erwachsenenalter nicht fettleibiger als natürlich geborene Kinder.

Forscher betonen, dass das Adipositasrisiko primär vom Ausgangsgewicht der Mutter vor der Schwangerschaft sowie von genetischen und umweltbedingten Faktoren abhängt.

Das Team vom Karolinska Institutet in Schweden präsentiert in der renommierten Fachzeitschrift PLOS Medicine Ergebnisse, die den Mythos entkräften, ein Kaiserschnitt erhöhe das spätere Fettleibigkeitsrisiko.

Dr. Daniel Berglind, Studienautor am Karolinska Institutet, erklärt: „Wir fanden keine Belege für einen Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und Fettleibigkeit. Die Geburtsmethode scheint somit kein zentraler Treiber der globalen Adipositas-Epidemie zu sein.“

Laut aktuellen Daten aus dem Lancet kommt in Großbritannien eines von vier Babys per Kaiserschnitt zur Welt. Weltweit hat sich die Quote seit 2000 nahezu verdoppelt – von 12 % auf 21 % bis 2015.

Die Studie analysierte Daten aus einer nationalen Bevölkerungsdatenbank mit 97.291 männlichen Neugeborenen aus den Jahren 1982 bis 1987. Mütter- und Säuglingsdaten stammen aus dem schwedischen Medizinischen Geburtenregister.

Der Body-Mass-Index (BMI) der Probanden wurde mit 18 Jahren anhand von Wehrpflichtuntersuchungen ermittelt – ein fester Bestandteil der obligatorischen Militärprüfung in Schweden.

Die Forscher konnten keine Daten zu Frauen einbeziehen, da historisch nur Männer zum Wehrdienst eingezogen wurden.

Dr. Viktor H. Ahlqvist, Hauptautor am Karolinska Institutet, präzisiert: „Unsere Ergebnisse gelten primär für Männer. Frühere Studien zeigten jedoch keinen Geschlechtsunterschied in diesem Zusammenhang.“

Die Analyse ergab: 5,5 % bzw. 5,6 % der Männer nach Wahl- oder Notkaiserschnitt waren fettleibig, gegenüber 4,9 % bei vaginal Geborenen.

Die Forscher erklären diesen scheinbaren Unterschied durch mütterliches Ausgangsgewicht und familiäre Belastung.

Dr. Ahlqvist fasst zusammen: „Der Großteil des Zusammenhangs lässt sich durch den präschwangerschaftlichen BMI der Mutter erklären. Erbliche Faktoren und intrauterine Einflüsse wiegen schwerer als die Geburtsart.“

Pat O'Brien, Berater des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, begrüßt die Ergebnisse: „Diese große Studie beruhigt Mütter: Ein Kaiserschnitt birgt kein Adipositasrisiko für das Kind.“

„Im Gegensatz zu kleineren früheren Arbeiten, die den Zusammenhang andeuteten, berücksichtigt diese Analyse Schlüsselvariablen wie mütterlichen BMI, Gestationsalter und Diabetes.“

„Ein Kaiserschnitt kann lebensrettend sein – Frauen sollten bei ihrer Wahl unterstützt werden.“