DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Eisstupas: Künstliche Gletscher als innovative Lösung gegen Klimawandel und Wasserknappheit

Künstliche Gletscher, bekannt als Eisstupas, entstehen durch ein einfaches Bewässerungssystem, das Frischwasser für die trockenen Sommermonate speichert. In Ladakh, einer hochgelegenen Wüstenregion am Himalaya-Rand mit rund 300.000 Einwohnern und nur etwa 10 Zentimetern Jahresniederschlag – kaum mehr als in der Sahara –, versorgen sie Bauern während der knappen Pflanzsaison im Frühling mit lebenswichtigem Wasser.

In diesen kalten Wüsten ist Landwirtschaft essenziell, doch das Anbau-Fenster schrumpft durch den Klimawandel rapide. Rückziehende Gletscher liefern alarmierende Belege für die globale Erwärmung, wie Studien belegen.

Eine in der Fachzeitschrift Cryosphere publizierte Untersuchung zeigt: Die Erde verlor in den 2010er-Jahren über 1,2 Billionen Tonnen Eis jährlich – ein Anstieg gegenüber den 760 Milliarden Tonnen im Jahrzehnt zuvor. Von 1994 bis 2017 summierten sich die Verluste auf 28 Billionen Tonnen. Natürliche Gletscher sind in bergigen Trockengebieten unverzichtbare Süßwasserquellen.

Ingenieure entwickelten daher eine clevere Lösung: Im Winter wird Frischwasser in imposanten Eistürmen eingefroren, um es ganzjährig verfügbar zu machen und lokale Gemeinschaften zu sichern. Die Technologie stammt von Ingenieur Sonam Wangchuk, der sie 2013 erstmals umsetzte.

Forscher der Cryosphere and Climate Change Group an der University of Aberdeen kooperieren mit indischen Universitäten, Ladakh-Einheimischen und dem Ice Stupa Project. Sie optimieren das System, etwa durch Vermeidung von Gefrierproblemen in Rohren und besseres Verständnis des lokalen Mikroklimas.

Wie entstehen künstliche Gletscher?

Eisstupas: Künstliche Gletscher als innovative Lösung gegen Klimawandel und Wasserknappheit

Stufe 1

Künstliche Gletscher werden im Winter aus höher gelegenen Quellen mittels Polyethylenschläuchen mit Frischwasser versorgt.

Stufe 2

Das Wasser fließt von der Basis durch ein Rohr in ein vertikales, verzinktes Eisenrohr.

Stufe 3

Nachts bei sinkenden Temperaturen – bis zu -30 °C in Ladakh – wird es über einen Sprinkler am oberen Ende gepumpt und auf einer Holz-Stahl-Struktur eingefroren.

Stufe 4

Es bildet sich eine stalagmitenähnliche Struktur. Bei wachsender Eismasse werden weitere Rohre angebracht, um Höhe und Speicherkapazität zu steigern.

Stufe 5

Im Frühling schmilzt das Eis kontrolliert und liefert Bewässerungswasser genau dann, wenn es am dringendsten benötigt wird.