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Warum wir Emotionen falsch verstehen: Ein Neurowissenschaftler enthüllt die neueste Forschung

Emotionen sind die besten Vorhersagen Ihres Gehirns darüber, was Ihre körperlichen Empfindungen bedeuten – geprägt von vergangenen Erfahrungen. Ihr Gehirn erzeugt diese Einschätzungen in Bruchteilen von Sekunden, sodass Emotionen wie unkontrollierbare Reaktionen wirken, die Ihnen widerfahren. Tatsächlich konstruieren Sie sie selbst.

Lange hielten Wissenschaftler Emotionen für feste Schaltkreise im Gehirn: einen für Glück, einen für Angst, einen für Wut usw. Diese sollten automatisch typische Gesichtsausdrücke, Körperreaktionen und Verhaltensweisen auslösen.

Beim Anblick einer Schlange etwa würde ein 'Angstkreislauf' die Pupillen weiten, das Herz rasen lassen und den Körper zur Flucht vorbereiten. Emotionen galten als zuverlässige Kette koordinierter Ereignisse.

Die meisten Belege widerlegen diese Sicht jedoch. Jede Emotion entsteht als Prozess des gesamten Gehirns. Es verbindet Körperdaten wie ein hämmerndes Herz mit Kontextinformationen – etwa Warten auf Testergebnisse beim Arzt – und konstruiert so Angst.

In einem anderen Szenario, wie beim Anblick des Partners, könnte dasselbe Herzklopfen zu Erregung oder Lust werden. Beim Sport interpretiert es es als Müdigkeit. Diese Deutung plant die nächste Körperaktion, um Ihr Überleben und Wohlbefinden zu sichern.

Trotz zunehmender Evidenz herrscht in der Emotionsforschung Chaos. Manche Forscher studieren Gefrierreaktionen und nennen es Emotionen. Hunderte Studien behaupten universelle Gesichtsausdrücke, beruhen aber auf fehlerhaften Methoden, die sich nicht replizieren lassen.

Unternehmen werben mit KI, die Emotionen aus Lächeln oder Grimassen liest – sie erkennt nur Muskelbewegungen, nicht deren Bedeutung im Kontext. Daten zeigen: In städtischen Kulturen runzeln Menschen bei Wut weniger als 30 % der Zeit die Stirn; die restlichen 70 % nutzen andere Ausdrücke.

Grimassen entstehen aus vielen Gründen jenseits von Wut, etwa Konzentration oder Blähungen. Belege für universelle Ausdrücke sind in isolierten Gesellschaften noch schwächer. Grimassen sind also nur eine von vielen Wutvarianten.

Dieses Chaos sickert in die Medien: Mäuse mit emotionalen Grimassen (falsch), Amygdala als Angstzentrum (nicht wahr), KI als Emotionsleser (unmöglich).