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Warum dominieren negative Nachrichten die Schlagzeilen? Die psychologischen Gründe

Die meisten Nachrichtenagenturen beginnen mit Katastrophen, Verbrechen und Skandalen. Das folgt etablierten Medienkonventionen: Das alte Sprichwort „If it bleeds, it leads“ („Wenn es blutet, führt es“) gilt nach wie vor. Viele journalistische Reputationen entstehen durch die Aufdeckung von Missständen oder Fehlern der Mächtigen – als „vierte Gewalt“ halten Medien die Eliten in Schach. Negative Berichte sind zudem essenziell, um uns vor Gefahren wie Pandemien oder Extremwetter zu warnen.

Dahinter steckt jedoch eine tiefere Ursache: die immense Nachfrage nach düsteren Geschichten. Psychologen erklären dies mit unserer „Negativitätsverzerrung“ – wir widmen negativen Erfahrungen mehr Aufmerksamkeit und merken sie uns besser. In einer Menge fallen uns wütende Gesichter eher auf als fröhliche, und viele Sprachen haben ein reicheres Vokabular für negative Emotionen.

Diese Voreingenommenheit hat evolutionär als Überlebensmechanismus gedient und prägt unseren Nachrichtenkonsum. Eine Studie aus dem Jahr 2014 untersuchte in den USA und Kanada die Augenbewegungen von Nutzern auf einer Nachrichtenwebsite: Selbst diejenigen, die positive Inhalte bevorzugten, verbrachten mehr Zeit mit negativen Artikeln.

Forscher der University of Michigan zeigten in einer Untersuchung mit Teilnehmern aus 17 Ländern – von Neuseeland bis China – dass negative Nachrichten stärkere emotionale Reaktionen hervorrufen (gemessen an Hautleitfähigkeit und Herzfrequenzvariabilität). Dennoch gibt es Hoffnung: Nicht jeder reagiert gleich, weshalb ein Markt für positive Nachrichten besteht.

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